Burrada de Granada

Ein Auslandssemester in Andalusien

Gute Aussichten

Sonntag, 15. Februar, 9 Uhr

Die nächtliche Tour mit den Südamerikanern war noch nicht alles: Vor mir liegt der Tag, an dem ich wirklich ankomme in Granada. Wie ich erfahre, sind alle meine gestrigen Abendgefährten Stipendiaten der Fundación Carolina. Alex studiert zum Beispiel Psychologie an der Universität von Cádiz im Westen von Andalusien. Die Stiftung hat ihre Stipendiaten auf ein Wochenende nach Granada eingeladen. Obligatorisch ist da natürlich ein Besuch der Alhambra. Für mich eigentlich auch.

Das haben meine südamerikanischen Freunde wohl auch gedacht, denn auf einmal wollen sie mich in den Bus einladen. Unglaublich. Langsam wird mir etwas mulmig: Sie behandeln mich fast schon wie einen Stipendiaten. Dabei hab ich gerade mal ein Studium, an Stipendium nicht zu denken.

Doch Alex fragt ein paar Leute und auf einmal sitze ich im Bus, ganz hinten und ab und zu soll ich mich mal etwas ducken. Passt schon. Oben angekommen hole ich mir ein Ticket und laufe ein bisschen auf Abstand neben der Gruppe her. Will ja nicht schmarotzen.

Die Alhambra ist eigentlich die übliche Touri-Geschichte: Alle finden es superwichtig und schön und überhaupt ganz beeindruckend und wie das damals bloß gemacht haben ohne Lkw. Aber die wirklichen geschichtlichen Zusammenhänge begreift die Touri-Masse nicht, will sie auch nicht wissen. Naja, jetzt bin ich vielleicht etwas voreingenommen und im Moment bin ich ja selbst der Kulturbanause, denn ich genieße vor allem die Ausicht, statt den Belehrungen zu folgen, die den Stipendiaten zuteil werden. Das hängt aber vor allem damit zusammen, dass einer der Betreuer immer ein bisschen sorgenvoll auf mich blickt und darauf achtet, dass ich meinen Abstand schön einhalte und dem Gruppenführer nicht zuhöre. Aber ich bin doch nur wegen der Aussicht hier!

Naja, und wegen der Architektur und so. Die unterscheidet sich doch beachtlich von dem, was man daheim im kühlen Norden sieht. Da hat der Moslem dem braven Christenmenschen wiedermal dazwischengefunkt und einfach seinen Stil mitgebracht. Herausgekommen sind dabei filigran (Fremdwort!) gestaltete Wände, ziemlich geschmackvolle Kachelmuster (ist was für die Küche daheim) und das alles hoch über der Stadt. Von hier aus kommt mir Granada vor wie eine Stadt in Marokko mit seinen weißen Häusern. Dabei war ich noch nie in Marokko.

Das schönste an der Alhambra waren für mich die vielen Gärten und Wasserspiele. Da merkt man, dass Wüstenvölker das Wasser und eine anständige Begrünung zu schätzen wissen. Beim nächsten Mal lasse ich mir das noch mal von einem Touri-Führer erklären.

Irgendwann geht jede Besichtigung zu Ende. Alex bekommt noch die Akkus für die Kamera zurück, die er mir geliehen hat. Doch wir beschließen, uns alle bald wieder zu sehen. Dann kann ich Alex auch noch etwas Deutsch beibringen.

Sonntag, 15. Februar, 15 Uhr

Der halbe Tag hoch oben über der Stadt hat mir sehr gefallen. Könnte mir doch gefallen, hier. Mit ortsüblicher Gelassenheit schlendere ich zum Bus und an mir fährt ein wunderschönes Stadtviertel vorbei, das Albaicín – übrigens Weltkulturerbe. Hier sollte ich eine Wohnung suchen.

Auf dem Weg von der Bushaltestelle zur Jugendherberge fällt mir auf, dass hier am Straßenrand überall Orangenbäume rumstehen. Könnte man in Deutschland auch einführen. Ob man die schon essen kann? Ich plücke mir eine.

Dicke Schale, der Saft spritzt mir entgegen. Ein zaghafter Biss – sauer! Aber gut. Wie Pampelmuse. Mjam. Selbst wenn ich keine Wohnung finde und auf der Straße lande: Verhungern werde ich hier nicht.

1 Kommentar»

  Dagny hat @ geschrieben

Sehr schickes Bildmaterial!

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